o Diese Fragen wurden im Zusammenhang mit dem Webinar "Mit LPS® zum Erfolg: So baut die Deutsche Bahn das Neue Werk Cottbus mit lcmd" gestellt und beantwortet.
1. Projekt- und Prozessorganisation
2. Tools und Softwareeinsatz (lcmd/MS Project/BIM)
4. Struktur und Planungssystematik
5. Nutzung und Bedienung von lcmd
6. Zusammenarbeit und Kommunikation
1. Projekt- und Prozessorganisation
Wie lange dauerte der GPA-Prozess und wie groß war der Teilnehmerkreis?
Die ursprüngliche Gesamtprozessanalyse (GPA) wurde als Tagesworkshop mit allen zum damaligen Zeitpunkt beteiligten Vertragsparteien durchgeführt. Je nach Projektphase wurde die GPA wiederholt angepasst und aktualisiert – beispielsweise speziell für die Planfeststellungsphase. Für die Gesamtübersicht des Projekts waren mehrere solcher Tagesworkshops erforderlich.
Die GPA-Methodik kommt zudem fortlaufend für kleinere und mittelgroße Problemstellungen im Projektverlauf zum Einsatz.
Wie lange dauert eine Projekt-Durchsprache in der Regel bei euch?
Im Projekt gibt es zwei zentrale wöchentliche Besprechungsformate:
• Projekt-Realisierungs-Team (PRT) – wöchentliche Besprechung
• Baustellen-Reko – ebenfalls wöchentlich
Ursprünglich dauerten diese Besprechungen jeweils rund zwei Stunden. Mit zunehmendem Baufortschritt und steigender Anzahl an Gewerken auf der Baustelle sind die Besprechungen jedoch an zeitliche Grenzen gestoßen. Daher wird aktuell geprüft, die Besprechungen thematisch aufzuteilen – beispielsweise in separate Termine für Ausbau- und Rohbau-Themen.
Wer hat die Vorgänge erstellt – der Terminplaner oder die beteiligten Firmen?
Nach dem Import wird die Terminsteuerung von einem der ausführenden Partner geführt – aktuell übernimmt dies die Firma mit dem größten Bauanteil.
Der Prozess erfolgt kollaborativ: Alle beteiligten Unternehmer wirken aktiv mit und pflegen gemeinsam die Vorgänge ein. Die Terminplanung entsteht somit als Gemeinschaftsprodukt in enger Abstimmung mit den ausführenden Firmen – nicht isoliert durch einen einzelnen Terminplaner. Diese gemeinsame Erarbeitung findet kontinuierlich statt, insbesondere in den wöchentlichen Durchsprachen.
Wer trägt bei euch den Status der Prozesse ein?
Die Fortschrittsmeldung erfolgt direkt durch die Allianzpartner selbst. Jeder Partner verfügt über eine eigene Terminsteuerung, die die jeweiligen Vorgänge verantwortet oder zumindest mitsteuert.
Organisation der Terminsteuerung: Für jedes Projekt-Realisierungs-Team (PRT) gibt es eine Gesamtterminsteuerung – entweder durch eine Person oder als Tandem. Diese setzt sich mit den Terminverantwortlichen der Partner zusammen und gleicht die jeweiligen Termine ab.
Baustellen-Reko: Die Baustellen-Reko findet live vor Ort am Board statt.
Wie und wer erstellt den Projektplan?
Der MS-Project-Plan wird durch die Terminsteuerer des jeweiligen PRT erstellt – in Zusammenarbeit mit Terminplanern bzw. Bauleitern der ausführenden Firmen.
Wie werden Schnittstellen dargestellt, wenn mehrere Gewerke an einem Task arbeiten?
Sollten mehrere Gewerke parallel auf einen gemeinsamen Meilenstein hinarbeiten, dann werden alle vorlaufenden Gewerke auf den gleichen Endmeilenstein verknüpft. Sollte ein Vorgang eine Verzögerung haben, wird dies durch einen Konflikt am Meilenstein sichtbar.
Wie lange sind eure Reaktionszeiten für Aufgaben, die nicht termingerecht erledigt werden?
Die Besprechung erfolgt im Wochentakt.
Werden Konflikte mit allen Gewerken besprochen oder nur mit den Betroffenen?
Konflikte werden in der Regel mit den betroffenen Gewerken besprochen. Sollte „hinten raus“ erkenntlich sein, dass dies auch Auswirkungen auf Nachfolgegewerke hat, werden diese mindestens informativ mit eingebunden – abhängig von der Vorlaufzeit.
2. Tools und Softwareeinsatz (lcmd/MS Project/BIM)
Wie sah der Auswahlprozess der lcmd-Software aus und nach welchen Kriterien habt ihr euch entschieden?
Für die Tool-Auswahl wurde eine Checkliste mit relevanten Anforderungskriterien erstellt – unter Beteiligung aller Partner bzw. ihrer Vertreter.
Wichtigstes Kriterium
Die Darstellung analog zur weißen Wand-Lösung mit Poster-Zetteln auf einer Timeline. Diese visuelle Übersichtlichkeit war entscheidend: Montag bis Freitag, Wochenende und alle Vorgänge auf einen Blick.
Weitere zentrale Kriterien
- Import von MS Project-Plänen
- Anlegen von Gewerken
- Anheften von ToDos an Vorgänge
- Zuweisung von Aufgaben an Personen
- Vergabe unterschiedlicher Rechte
Auswahlprozess
Mehrere Tools wurden anhand einer Bewertungsmatrix gesichtet. lcmd deckte die größte Schnittmenge der definierten Anforderungen ab und setzte sich dadurch durch.
Wenn ihr das Projekt in MS Project erstellt habt, warum habt ihr es nicht dort fortgeführt?
MS Project nutzen wir primär für die langfristige Steuerung. Dort lässt sich gut nachvollziehen, wie sich Verzögerungen auf den Gesamtterminplan auswirken.
Wo lcmd Vorteile bietet
- Detailplanung und Flexibilität: MS Project fehlt die Detailebene, um Vorgänge direkt zu verschieben und Konflikte anzuzeigen, ohne dass sich der gesamte Plan verschiebt.
- Übersichtlichkeit: lcmd bildet die Baustellenstruktur realistischer ab, die horizontale Darstellung (links nach rechts) erhöht die Übersicht bei der Feinplanung.
- Konfliktmanagement: Konflikte werden in lcmd direkt an der betroffenen Stelle angezeigt und können sofort besprochen werden.
Werden Änderungen in lcmd im Anschluss wieder in MS Project übertragen?
lcmd bietet eine höhere Detaillierung als MS Project.
Umgang mit Verzögerungen
Bei kleineren Einzelvorgängen (4–5 Tage Verzögerung) wird zunächst geprüft, ob diese auf der Baustelle kompensiert werden können.
Übernahme in den Projektplan
Änderungen werden nur dann in MS Project übernommen, wenn sich Verzögerungen mehrerer Einzelvorgänge aufsummieren und längerfristige Auswirkungen entstehen, die sich nicht innerhalb der 6-Wochen-Vorschau kompensieren lassen.
Verwendet ihr lcmd und MS Project simultan?
Ja, beide Systeme sind gleichzeitig im Einsatz:
MS Project: Vorschauplanung bis zum Projektende (geringere Detailebene)
lcmd: Detailsteuerung in der 6-Wochen-Vorschau (höhere Detailebene)
Wird auch eine modellbasierte Fortschrittskontrolle eingesetzt?
Nein. Das BIM-Modell wird ausschließlich für Planung und Kollisionsprüfung genutzt. Die Termin- und Baufortschrittssteuerung erfolgt nicht über das BIM-Modell. Die Integration wurde testweise erprobt, brachte aber keinen signifikanten Mehrwert für die wöchentlichen Durchsprachen.
Nutzt ihr auf der Baustelle zusätzlich noch eine Tafel mit Steckkarten und Daily Shopfloor?
Das entscheidet jeder Partner individuell für seinen Verantwortungsbereich bzw. vorhandene Nachunternehmer. Dazu gibt es keine projektübergreifende Festlegung.
Lässt sich der kritische Pfad projektübergreifend darstellen?
Nein, der kritische Pfad funktioniert ausschließlich innerhalb eines Projektes.
3. Lean Construction und IPA
Ist ein LEAN-Lerneffekt (0-Fehler-Prinzip) feststellbar?
Ein Null-Fehler-Prinzip ist unrealistisch und auch nicht das Ziel. Der entscheidende Effekt ist, dass Themen offener und frühzeitiger angesprochen werden, weil sie durch die Visualisierung schneller sichtbar sind. Wenn das Team gemeinsam vor dem Board steht und jeder seine Vorgänge verantwortet, entsteht automatisch Dialog.
Dieser Effekt führt dazu, dass Probleme früher thematisiert und gemeinsam gelöst werden. Es ist ein langwieriger kultureller Prozess, insbesondere für Teams aus der klassischen Vertragswelt, und erfordert Umdenken und Gewöhnung.
Worin unterscheidet sich die klassische Vertragswelt von der IPA-Arbeitsweise?
Kurz gesagt, IPA = Wir haben gemeinsam die Verantwortung für das Projektziel.
Klassisch = Jeder hat die Verantwortung für sein eigenes Gewerk.
Ist das IPA losgelöst von traditionellen Modellen?
Auf dem Smartphone zurzeit nicht in der konventionellen Prozessplan-Ansicht. Wir untersuchen Möglichkeiten, die Themen übersichtlich auf einem Smartphone-Bildschirm darzustellen.
Habt ihr das LPS intern selbst aufgebaut oder über Dritte beauftragt?
Wir haben es vollständig selbst aufgebaut. In der Startphase gab es viele Schulungen im Team, zu denen wir uns externe Berater hinzugezogen haben.
4. Struktur und Planungssystematik
Wie wurde die Struktur (PRPs, Baubereiche etc.) erarbeitet?
Die Strukturierung wurde anhand der Bautechnologie erarbeitet. Wenn bestimmte Arbeiten abschnitts- oder bereichsweise gegliedert sind, wurde sich daran orientiert.
Wie viele Gliederungsebenen habt ihr maximal?
Die Anzahl der Gliederungsebenen ist unbegrenzt.
Ist es möglich, Vorgängen Mitarbeiter zuzuordnen und deren Auslastung auszuwerten?
Ja, es besteht die Möglichkeit, die Personenstärke am Prozess zu definieren und über eine Ressourcenkurve auszuwerten.
5. Nutzung und Bedienung von lcmd
Wie kann ich im ToDo Hub nach dem Termin der Vorprüfung filtern?
Über den Filter „Fälligkeit“ können Punkte angezeigt werden, die in einem bestimmten Zeitraum fällig sind.
Kann man benutzerdefinierte Zeiträume fortlaufend filtern?
Ja, beim Festlegen des Zeitfilters gibt es die Option „Fortlaufend“, wodurch der Zeitfilter automatisch mit dem aktuellen Datum mitwandert.
6. Zusammenarbeit und Kommunikation
Erfolgt die Durchsprache mit den Partnern und Nachunternehmen in Präsenz oder online?
Der Fokus liegt ganz klar auf Präsenzterminen – wann immer möglich.
Warum Präsenz?
Der Teamaspekt und die haptische Arbeit am Board entfalten ihre volle Wirkung nur in Präsenz. Es macht einen erheblichen Unterschied, ob man gemeinsam am Board steht oder nur per Teams verbunden ist.
Digitale Flexibilität: lcmd funktioniert auch digital, wenn Präsenz ausnahmsweise nicht möglich ist – dennoch bleibt der Fokus klar auf Präsenz.
In welcher Projektphase befindet ihr euch jetzt?
Das Projekt befindet sich zu ca. 80 % in der Ausführungsphase. Es gibt immer noch laufende Planungen, aber man ist mittendrin in der Ausführung.